Liechtenstein Rules

Die Geltung der neu herausgegebenen Schiedsordnung der Liechtensteinischen Industrie- und Handelskammer (Liechtensteinische Schiedsordnung) kann sowohl für internationale als auch für nationale Verfahren und sowohl für Schiedsgerichte mit Sitz im Ausland als auch mit Sitz im Inland vereinbart werden.

Mit 32 Artikeln sind die Liechtenstein Rules im Gegensatz zu anderen Schiedsordnungen kurz, übersichtlich und verständlich abgefasst. Die Einfachheit des Verfahrens ist ein Kernpunkt der Schiedsordnung. So sind beispielsweise eine minimale Editionspflicht und lediglich ein Schriftenwechsel vorgesehen. Dies führt zu einer wesentlichen Beschleunigung des Verfahrens.

Die Liechtenstein Rules legen besonderen Wert auf Vertraulichkeit. Sämtliche am Schiedsverfahren beteiligten Parteien sind zu strengster Verschwiegenheit verpflichtet. Die Schiedsordnung enthält zudem diverse verfahrensrechtliche Kautelen, welche eine grösstmögliche Diskretion in der Verfahrensführung sicherstellen. Des Weiteren wurde darauf geachtet, die Verfahrenskosten in einem im Vergleich zum Streitwert vernünftigen Mass zu halten. Die Kostenordnung der Liechtenstein Rules lehnt sich insoweit an diejenige der Swiss Rules an, unterschreitet diese aber betragsmässig um bis zu 15%.

Anders als vereinzelte ausländische Schiedsinstitutionen unterhält die Industrie- und Handelskammer keine eigene ständige und kostspielige Einrichtung, die sich dem Schiedswesen widmet. Die Liechtenstein Rules sehen ein „quasi-institutionelles“ System vor. Die reibungslose Abwicklung der einzelnen Schiedsverfahren wird „ad hoc“ und somit von Fall zu Fall durch Beizug von erfahrenen Experten sichergestellt. Die Parteien erhalten somit ein grösstmögliches Mass an Flexibilität, um den Eigenheiten des Einzelfalles Rechnung zu tragen. Gleichzeitig stellt der LIS der Industrie- und Handelskammer im Rahmen der vereinbarten Kooperation ein Sekretariat zur Verfügung, welches mit unabhängigen und rechtskundigen Personen besetzt wird. Das Sekretariat ernennt auf entsprechenden Antrag der Parteien für ein bestimmtes Schiedsverfahren einen ebenfalls unabhängigen Kommissär, welcher vor allem dann einzuschreiten hat, wenn die Parteien bei der Schiedsrichterbestellung keine Einigung erzielen können. Dem Kommissär kommt die weitere Kompetenz zu, befangene Schiedsrichter abzusetzen oder Schiedsrichter, die ihre Pflichten vernachlässigen, zu ersetzen. Die Liechtenstein Rules vereinen somit die Vorzüge der Ad hoc Schiedsgerichtsbarkeit mit denjenigen der institutionellen Schiedsgerichtsbarkeit.

Detailinformationen zum Schiedsstandort Liechtenstein sowie zu den neu in Geltung gesetzten Liechtenstein Rules finden Sie unter den folgenden Links:

Liechtensteinische Schiedsordnung / Lichtenstein Rules
Kostenordnung